Die Region Guji im südlichen Hochland Äthiopiens hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von einem Geheimtipp zu einem renommierten Ursprung für Spezialitätenkaffee entwickelt. Mit dem Tabe Burka Honey, dem neuen Kaffee hinter unserem Chamäleon, stellen wir euch einen Kaffee vor, der die besonderen Qualitäten dieses Terroirs perfekt verkörpert.
Guji: Vom Schatten Sidamas zum eigenständigen Terroir
Geografisch liegt Guji im südlichen Hochland Äthiopiens und grenzt im Westen an die berühmten Regionen Yirgacheffe und Sidama. Lange Zeit wurden die Kaffees dieser Zone unter dem Sammelbegriff „Sidamo“ vermarktet, bis Guji im Jahr 2002 als eigenständige administrative Zone anerkannt wurde. Diese Abgrenzung war entscheidend, um das Profil der Region sichtbar zu machen, die Rückverfolgbarkeit zu verbessern und direkteren Handel möglich zu machen.
Kaffee wächst in Guji auf Höhen zwischen 1.800 und bis zu 2.400 Metern über dem Meeresspiegel. Die kühleren Temperaturen in diesen Lagen führen zu einer langsameren Reifung der Kirschen, was die Entwicklung komplexer Zucker und Aromen fördert. Die Region verfügt zudem über extrem fruchtbare, vulkanische Böden (Nitisols), die reich an Eisen und Aluminium sind. Aufgrund dieser natürlichen Fruchtbarkeit ist der Anbau in Guji quasi „per se organisch“, da kaum chemische Düngemittel benötigt werden.

Porträt: Tabe Burka Honey aus Uraga
Unser neues Chamäleon stammt aus dem Kebele (Dorf) Tabe Burka im Woreda (Distrikt) Uraga in der Guji-Zone.
Uraga genießt innerhalb Gujis einen hohen Ruf für hochwertige Kaffees.
Dieser Kaffee überzeugt mit fruchtig-floralen Noten, die an Aprikose, Beeren und Mandeln erinnern und in eine saftige Süße eingebettet sind.
Er wird von etwa 148 Kleinbauern in Agroforstsystemen angebaut. Auf Parzellen von 1 bis 4 Hektar wachsen die Kaffeebäume im Schatten einheimischer Bäume oder anderen Nutzpflanzen. Die Bauern kultivieren überwiegend die traditionelle äthiopische Sorte Kurume (eine Locale Landrace) sowie die Kreuzungen 74110 und 74112, die für ihre Resistenz und überzeugende Tassenprofile bekannt sind.
Die Besonderheit dieses Kaffees ist seine Honey-Aufbereitung.
Die Honey-Aufbereitung ist in Äthiopien noch ein recht moderner Ansatz und ist als Mittelweg zwischen der gewaschenen und der trockenen Aufbereitung zu verstehen.
Die Kirschen werden entpulpt (die Schale und der größte Teil des Fruchtfleischs werden entfernt), aber ein Teil der klebrigen Pektinschicht – die sogenannte Mucilage – bleibt während der dreiwöchigen Trocknung auf der Bohne. Wir haben also mehr Fermentationssubstrat als bei der gewaschenen Aufbereitung, bei welcher auch die Mucilage entfernt wird und Fruchtfleischrückstände abgewaschen werden, jedoch weniger als bei der trockenen Aufbereitung der ganzen Kirsche.
Dies spiegelt sich auch im Geschmack wider: Während gewaschene äthiopische Kaffees wie unser Kolibri oft sehr klar, zitrisch und teeartig sind, sorgt die verbleibende Mucilage beim Honey-Verfahren für eine deutlich höhere Süße und einen volleren Körper. Im Vergleich zu getrockneten äthiopischen Naturals, wie unserem Flamingo, die oft als schwerere, beerige Fruchtbomben daherkommen, behält der Honey-Kaffee mehr von der sauberen Säure eines gewaschenen Kaffees.
Diesen Kaffee haben wir ganz gezielt in unser Sortiment aufgenommen, um die Vielfalt äthiopischer Kaffees widerzuspiegeln – in der Geografie und der Aufbereitung.

Soziale Projekte und Impact
Hinter unserem neuen Chamäleon-Kaffee steht das Unternehmen Oboleyan Coffee (Oboleyan bedeutet „Geschwister“), das in dritter Generation von der Familie Edema geführt wird. In Zusammenarbeit mit Partnern wie Belco wurde ein umfangreicher Gemeindeentwicklungsplan für Uraga entworfen.
Die Projekte umfassen Bohrungen von Brunnen (für ca. 500 Haushalte pro Standort), den Bau von Schulen (mit Klassenzimmern, Bibliotheken und sanitären Anlagen), die Bereitstellung von Uniformen, Schulmaterial und Hygieneartikeln für Schüler:innen sowie einen Farmer-Support zur Erhöhung der Arbeitssicherheit.
Zudem stellt die Honey-Aufbereitung aufgrund ihres geringeren Wasserverbrauchs eine ressourcenschonendere Form der Aufbereitung leichterer Kaffees dar als die gewaschene Aufbereitung.
Im Januar 2025 waren Tilman und Jan in Äthiopien und haben es auch bis zur Grenze Gujis und Yirgacheffes geschafft. Ein Rückblick dieser Reise sowie einen Überblick zu Äthiopien als Kaffee-Ursprung findest du ebenfalls in unserem Blog. Genau ein Jahr später freut es uns sehr, die Vielfalt des Landes und unsere Begeisterung für seine Kaffees mit drei gänzlich verschiedenen Kaffees aus dem Südwesten Äthiopiens in unserem Sortiment widerzuspiegeln und mit euch zu teilen.
